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Aufnahmesound im Zimmer verbessern mit Molton?
islay #1
Mitglied seit 07/2014 · 4 Beiträge
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Betreff: Aufnahmesound im Zimmer verbessern mit Molton?
Hallo zusammen!

Ich wollte in nächster Zeit zum einen mal wieder etwas Musik, zum anderen auch reine Sprache aufnehmen. Vor einer Weile hab ich mir das Audio Technica AE6100 gekauft, natürlich vorwiegend für den Live-Gebrauch, aber jetzt wollte ich auch mal austesten, wie sich das im Homerecording macht. Ich hab mich allerdings gefragt, ob ich die Ecke in meinem Zimmer, wo ich das Mikro aufstellen will, etwas auskleiden soll und ob das den Klang verbessert/ungewünschte Nebenklänge vermeidet. Ein Bekannter von mir arbeitet in einem Theater und meinte, dass da teilweise alte Stoffe (Molton o.ä.?) rumliegen, von denen ich was haben könnte. Meine Frage: Macht das Sinn, wird das was erreichen? Ich kann auch nochmal fragen, was genau das für Dinger sind.

Beste Grüße
Martin
islay #2
Mitglied seit 07/2014 · 4 Beiträge
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Nur kurz als zusätzliche Information, nachdem ich nochmal nachgefragt habe: Es handelt sich nicht direkt um Molton, sondern um ein bisschen was Feineres, nämlich einen Akustikvorhang (so ähnlich wie der hier, nur älteres Modell: http://www.gerriets.com/de/produkte/collection/ABSORBER-CS…). Kennt sich damit jemand aus bzw. verwendet das jemand im Homerecording- und sonstigen Studiobereich?
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Uli Nobbe #3
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Mitglied seit 03/2012 · 1328 Beiträge · Wohnort: Frankfurt am Main
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Hallo Martin,

in der Beziehung würde ich entspannt bleiben.
Du solltest Dir zunächst einmal vor Augen führen, dass es sich bei dem Mikrofon um ein dynamisches handelt und Du damit weit weniger Probleme hast als mit einem Kondensatormikrofon (Empfindlichkeit der Aufnahme, Output, wahrnehmbarer Raumhall).

Ich selbst habe für reine Sprachaufnahmen mit einem linearen Kleinmembrankondensatormikrofon bestimmte Ecken meines Zimmers mit Molton abgehängt.
Experimente haben gezeigt, dass - je nach Aufnahmezweck - es sich nicht zwingend lohnt, in so genannten "Akustikmolton" zu investieren; "normaler" Molton tut es da in aller Regel auch. Das Ergebnis ist nahezu (!) gleich, aber der Preisunterschied, je nach Gesamt-Meterzahl, ist bedeutend.

Zu Deinem Link: Was mich daran insbesondere irritiert, ist der Begriff "absorbierend". Ich bin der Auffassung, dass in einem Aufnahmeraum lediglich direkte Reflexionen vermieden werden sollen. Absorption nähert sich u.U. einem schalltoten Raum an - und, glaube mir, da will keiner aufnehmen und das will auch keiner hören.
In meiner Welt - alte Lehre - muss ein Raum immer noch "klingen" (unspezifizierter Begriff), nur eben nicht mit direktem Nachhall oder unmittelbaren Reflexionen aus 0° (z.B. von einem Fenster hinter Dir). Arbeite eher an der Diffusion, z.B. glatte Flächen wie Türen oder Fenster abhängen, auch die Decke nicht vergessen (bevorzuge Schrägen etc.), da kannst Du schon viel mit erreichen.

So simpel es klingt: Schon der Einsatz einer so genannten "spanischen Wand" mit 2 oder 3 Elementen und darüber gehängten Bettdecken kann, je nach Raum, Wunder bewirken. Manche empfehlen auch Umzugsdecken (hässlich, aber günstig): Das ist die unterste, aber wirksame Improvisationsstufe zur Erstellung einer Raumakustik, wo sie fehlt.
In einem (Not-)Fall habe ich mir für einen kleinen, spontanen Sprecheinsatz (war zu Gast bei Freunden und es musste schnell gehen) sogar mit Bettwäsche beholfen: Ein Kissen auf dem Stuhl vor mir, Bettdecke auf dem Wäscheständer hinter mir. Hat funktioniert.

Auf meiner Soundcloud-Seite findest Du aktuell zwei Sprechbeispiele - eins am "nackten" Schreibtisch, eins am mit Molton verkleideten Sprecherplatz. Da ist, unter Kopfhörern, immer noch ein wenig Raum zu hören, aber das ist beabsichtigt: Schalltot irritiert das Gehör.

Es gibt noch andere Ideen, wie z.B. Schallkassetten mit Stein- oder Akustkwolle im Holzrahmen mit Akustikvlies davor etc. - das mit dem Molton ist zweifelsohne die einfachste und m.E. günstigste. Es gibt auch zerstörungsfreie Befestigungen dafür, das nur am Rande.

Ach ja, noch ein Tipp: Das mit den dunklen Farben würde ich lassen. Ist ein Erfahrungswert.  ;-)

Gruß, Uli
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Shit in - shit out: Qualität entsteht während der Aufnahme, nicht in der Nachbearbeitung!

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Uli Nobbe #4
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Nachtrag:
Der Stoff in Deinem Link hat ein Gewicht von 560 g/qm (das ist bei dem Akustikmolton, den ich kenne, ähnlich).
Der "normale" aka "klassische" Molton wiegt so um die 300 g/qm.

Das mag Dir jetzt nicht viel vorkommen, aber bei 5*2 m oder, realistischer, 10*2 m hast Du es da mal schnell mit 11 kg und mehr zu tun.
Selbst wenn Du pro Meter einen Hängepunkt setzt (bei 10 lfd. Metern wären das dann 11 Hängepunkte) hast Du so im Schnitt über 1 kg Zuglast je Hängepunkt - und das noch nicht mal zentrisch.

Das soll Dich jetzt nicht von Deinem Vorhaben abbringen, aber irgendwie soll das Material ja auch seine Wirkung entfalten - und dazu muss es befestigt werden.

Denkanstoßende Grüße, Uli
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islay #5
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Ah, da hast du wohl recht, sowohl mit der Absorption als auch mit dem Gewicht - das hab ich bisher gar nicht so auf dem Schirm gehabt... Ich würde eben günstig an den Stoff kommen, weshalb ich das zuerst eine gute Idee fand. Aber ich sollte wohl nochmal ein bisschen drüber nachdenken. Vielleicht probier ich wirklich erstmal deine Bettwäschetipps aus, Uli. ;) Danke! Die Vergleichsaufnahmen werd ich mir noch anhören!
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Uli Nobbe #6
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Wobei ich Dich ja nicht von Deinem Vorhaben abbringen will, keineswegs...
... Du solltest halt nur die Verhältnisse beachten.

  • Du benutzt ein dynamisches Mikrofon. Damit gehst Du ohnehin nah an das Instrument oder den Mund ran. Raumhall ist dann erst mal das kleinere Problem - und wie ich schon schrieb: Räume dürfen klingen, nur eben nicht mit hörbarem Hall.

  • Ist die Entfernung zum Mic wider Erwarten größer, wirst Du vermutlich den Gain aufreißen müssen und bekommst dann noch ganz andere unangenehme Effekte mit in die Aufnahme gespült (Mikrofon- und/oder Vorverstärker- bzw. Mischpult-Rauschen).

  • Kümmere Dich zunächst um die am meisten reflektierenden Stellen: Fenster, Türen, glatte Wände. Ermittele die längsten Laufwege, die der Schall zurücklegen muss, bis er als Echo Dein Mikrofon erreicht. Bei einer Nierencharakteristik ist der Nahbereich um die 180° nicht ganz so wichtig, weil das Mikrofon dort erwartungsgemäß taub ist.

  • Wichtig, wenn Du "nur" sprichst: Belege Deinen Sprecherplatz mit Stoff. Die meisten denken nicht an die Reflexionen einer Tischplatte.

  • Wenn Du singst, stelle Dich vor den geöffneten (und natürlich gefüllten) Kleiderschrank. Was besseres (und günstigeres!) gibt es nicht. Nicht lachen!  :-D  Ist ein Profitipp von Korrespondenten und Reportern, die ihre Beiträge unterwegs mit der Taschenlampe unter der Bettdecke oder im Kleiderschrank hockend (!!!) eingesprochen haben. - Na gut, das ist für Sänger und Instrumentenspieler jetzt weniger hilfreich, aber das mit dem offenen Kleiderschrank funktioniert wirklich. Wenn's grad nicht anders geht.

Ich habe auch schweren Molton im Einsatz. Du erkennst ihn im Hintergrund meines Avatars. Einfach zu händeln - das ist anders. Aufhängen? Klar, geht, macht aber auch nicht wirklich Spaß. Und so richtig fertig ist man nie.
ABER: Im Gegensatz zu diesem Noppenschaumstoff ist der wenigstens schwer entflammbar nach der Brandschutzklasse B1. Das andere Billig(st)zeug brennt wie Zunder, also davon im Zweifel bitte Finger weg (Basotect® mal ausgenommen, aber das ist schon wieder eine ganz andere (Preis-)Klasse)!
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islay #7
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Cool, danke für die vielen Tipps! Hat mir auf jeden Fall einiges zum drüber Nachdenken gegeben. :)
Franziska #8
Mitglied seit 08/2014 · 6 Beiträge
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Hey, ich wurd über meinem Thread auf diesen Thread aufmerksam gemacht, ich war bisher immer in der Uni, wenn ich etwas aufnehmen muss, aber vielleicht kann ich mir mit euern Tipps den Weg für ein paar kleiner Aufnahmen in Zukunft sparen! Daanke!
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