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Klassik-Aufnahme nachbearbeiten
Aufnahmeergebnis kratzt, knackt bei hohen Tönen, rauscht, zu leise - gute Akustik des Raumes ist "weg"
Heule #1
Mitglied seit 02/2016 · 1 Beitrag
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Betreff: Klassik-Aufnahme nachbearbeiten
Hallo,
vorab schon mal vielen Dank für dieses Forum!
Ich möchte gar nicht lange mit unqualifizierten Beiträgen nerven, sondern bitte nur um Hilfe bei einem einzigen Projekt. Bei der Suche im Forum habe ich nichts gefunden, was zu meinem Problem passt, was sicher auch daran liegt, dass ich die nötigen Fachbegriffe nicht kenne - das bitte ich zu entschuldigen.

Zum Problem: Wir haben ein Klassik-Konzert (Opernchöre mit Klavierbegleitung und Solo-Sopranstimme) mit mehreren Mikrofonen in einer Kirche aufgenommen (zwei vor dem Chor, zwei am Flügel, eins im Raum). Die Akustik in dieser Kirche ist ganz wunderbar und die Stücke wurden gut vorgetragen - leider klingt die Aufnahme überhaupt nicht so. Man hört einzelne Stimmen des Chores unangenehm schrill raus, die Stimme der Solistin kratzt und knirscht bei den hohen, lauteren Tönen, insgesamt ist es aber eher zu leise - macht man es lauter, rauscht und kratzt es umso mehr. Das, was an der Akustik schön war (der Hall) fehlt bei der Aufnahme meiner Ansicht nach völlig.

Ich glaube, die Aufnahme wurde mit ordentlichem technischen Gerät gemacht, kann aber nicht beurteilen, ob die Mikrofone richtig standen und eingesetzt wurden - ist jetzt leider auch nicht mehr zu ändern, Konzert ist rum. Ich muss die Aufnahme nachbearbeiten, um sie als CD für unseren Chor hörbar zu machen - sonst traut sich keiner mehr, auch nur einen Ton zu singen. :-/ Das Gute ist, es eilt nicht. Das Schlechte: Ich habe keine Ahnung (bin aber grundsätzlich lernfähig).

Ich habe mir zwei Programme zur Bearbeitung geladen: Wave-Pad (NHC) und Audacity und schon ein bisschen herumprobiert. Ein bisschen Hall verbessert das Ergebnis irgendwie, reduziert aber das Kratz-Problem so gar nicht.

Hat jemand mit Ahnung soviel Geduld, mir zu erklären, wie ich die Aufnahme "hörbar" machen kann?

Viele Grüße,
die Heule
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Uli Nobbe #2
Benutzertitel: Sprecher
Mitglied seit 03/2012 · 1353 Beiträge · Wohnort: Frankfurt am Main
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Hallo,

gleich vorneweg: Das ist sehr ambitioniert und meiner Meinung nach auch schwierig.
Vorab möchte ich ein paar Detailfragen stellen, damit ich mir ein besseres Bild machen kann - auch auf die Gefahr hin, dass Du nicht alle beantworten kannst. Aber da müssen wir jetzt mal durch.

Zitat von Heule am 07.02.2016, 09:58:
Wir haben ein Klassik-Konzert (Opernchöre mit Klavierbegleitung und Solo-Sopranstimme) mit mehreren Mikrofonen in einer Kirche aufgenommen (zwei vor dem Chor, zwei am Flügel, eins im Raum).
Jessas... da habt ihr euch an eins der schwersten Aufnahmeprojekte überhaupt rangewagt. Ein Chor an und für sich ist schon sehr amtlich in der Abnahme, aber einen Flügel mit zwei Mikrofonen, das ist die ganz hohe Schule. Da würde ich nichts unter einem ausgebildeten und erfahrenen Tontechniker ranlassen, sonst geht es schief.
Ich fürchte, nach der Ausrichtung der Mikrofone (A/B, X/Y, ORTF, sonstige) brauche ich gar nicht zu fragen. Auch nicht, welcher Bereich mit welchem Mikrofon (Charakteristik, Wandlertyp) abgenommen wurde. Da sind so derart viele Fallstricke, und das auch noch in einer Kirche...

Zitat von Heule am 07.02.2016, 09:58:
Die Akustik in dieser Kirche ist ganz wunderbar und die Stücke wurden gut vorgetragen - leider klingt die Aufnahme überhaupt nicht so.
Dann war die Mikrofonierung besch...eiden. Wurde das vorher nicht geprobt, ausgesteuert, nochmal geprobt? Da hört man die Probleme doch schon im Monitorkopfhörer (und damit meine ich nicht die Stöpselchen im Ohr!).
Nach meiner Erfahrung dauert die gesamte technische Einrichtung und Einstellung länger als der Auftritt an sich.

Zitat von Heule am 07.02.2016, 09:58:
Man hört einzelne Stimmen des Chores unangenehm schrill raus, die Stimme der Solistin kratzt und knirscht bei den hohen, lauteren Tönen, insgesamt ist es aber eher zu leise - macht man es lauter, rauscht und kratzt es umso mehr.
Nur zum Verständnis: Die Solistin war Bestandteil des Chores? Und: Warum hatte sie kein eigenes Mikrofon?
Wenn man einzelne Stimmen des Chores unterschiedlich stark hört, waren entweder zu wenig Mikrofone im Einsatz (wie groß ist der Chor?) oder die Charakteristik oder die Positionierung ist falsch gewählt. Oder eine Kombination aus allem. Da wird die Fehlersuche mal so richtig schwer; ihre nachträgliche Behebung aus meiner Sicht unmöglich. Da muss jemand mit einem besseren Wissen ran.

Kratzen und knirschen deuten entweder auf Fehler der Technik hin oder eben ganz simpel auf eine Übersteuerung. Mir ist es bislang jedenfalls noch nicht gelungen, solche Aufnahmen wieder hinzubekommen (Vorbeimarsch eines Drumcorps, hatte Ausreißer).

Ach ja, und: Rauschen geht schon mal gar nicht - das ist ein Zeichen schlechter Mikrofone oder schlechter Vorverstärker. Ob man das halbwegs gefahrlos mit Audacity entfernen kann, käme auf ein paar Versuche an - letztlich ist es ein Kompromiss aus "geht gerade noch so" und "bloß nicht mehr".
Bei anderen Aufnahmen bin ich da ja nicht so empfindlich, aber Rauschen im Mix aus Piano, Chor, Solistin und Raum? Puh...

Zitat von Heule am 07.02.2016, 09:58:
Das, was an der Akustik schön war (der Hall) fehlt bei der Aufnahme meiner Ansicht nach völlig.
Zwei Anmerkungen dazu:
  • Entweder war das Raum-Mikrofon ungeeignet, falsch platziert oder nicht richtig ausgesteuert
oder
  • es hätten mehr Mikrofone sein müssen.

Es gibt nur eine Möglichkeit, in Audacity den (schwach) aufgenommenen Hall hervorzuzaubern: Jedes Mikrofonsignal (auch: Gruppe) bekommt eine eigene Tonspur. Geht auch mit analogen Pulten und entsprechenden Interfaces. Sogar mit Pocketrecordern geht das (z.B. Zoom H6 etc.).
Ist hingegen alles auf eine Tonspur fertig gemischt worden: Sorry, nichts zu retten.

Zitat von Heule am 07.02.2016, 09:58:
Ich glaube, die Aufnahme wurde mit ordentlichem technischen Gerät gemacht, kann aber nicht beurteilen, ob die Mikrofone richtig standen und eingesetzt wurden - ist jetzt leider auch nicht mehr zu ändern, Konzert ist rum.
Richtig, das Konzert ist rum.
Was mich aber eben besonders stutzig macht: "Ich glaube (...) kann aber nicht beurteilen" - okay, es war nicht Dein Job, also hat es jemand anderes verbrochen, aber Du musst es jetzt retten? Ich habe da so ein flaues Gefühl im Magen, dass sich da einer aus seiner Verantwortung stehlen möchte - auf Deine Kosten.

Wenn eine Aufnahme richtig versaut ist, kann auch Audacity nicht zaubern. Die Kunst der guten Aufnahme ist immer noch das A und O; die Nachbearbeitung soll und kann handwerkliche Fehler nicht ausgleichen.
Aus einem DSDS-Krächzer wird auch mit Audacity kein Goldkehlchen. Das gilt für alle anderen Bereiche analog.

Zitat von Heule am 07.02.2016, 09:58:
Ich muss die Aufnahme nachbearbeiten, um sie als CD für unseren Chor hörbar zu machen - sonst traut sich keiner mehr, auch nur einen Ton zu singen.
Tja, dann löst den Chor mal besser auf. Oder bezahlt einen Tontechniker / Tonmeister.
Ich strecke nach Deiner Beschreibung die Waffen.

Zitat von Heule am 07.02.2016, 09:58:
Hat jemand mit Ahnung soviel Geduld, mir zu erklären, wie ich die Aufnahme "hörbar" machen kann?
Zusammenfassend: Leider nein. Ich hoffe, andere sind da mutiger.
Alles andere gern in einem direkten, erläuternden Gespräch, das eventuelle Missverständnisse vermeidet. Dein komplexes Projekt erfordert sehr viele Rückfragen.

Gruß, Uli
Auch Audacity kann den guten alten Technikergrundsatz nicht aushebeln:
Shit in - shit out: Qualität entsteht während der Aufnahme, nicht in der Nachbearbeitung!

Aktuelle Version: Audacity 2.1.3
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