Stimme mastern? - wie kann man seine stimme mastern?

  • Hi Kone A -


    wenn ich das richtig verstanden habe, brauchst Du ein Komplettanleitung, wie man sowas macht...


    Da das mal wieder ein halbes Buch wird werd' ich mal daheim rumwühlen ob ich zumindest mal die Grundlagen für Mikrofonaufstellungen und Raumakustik und so'n Zeug als PDF finde. Ich habe da mit Sicherheit noch genug Zeugs. Dann hättest Du mal zumindest eine Komplettanleitung wie sowas geht.


    Wenn Du das hier liest bevor ich mich gemeldet habe und Du schon ein Mikrofon hast schreib mir mal bitte hier rein wie das heisst (es langt das was auf dem Mikrofon selbst draufsteht, wenn Du noch die Herstellerfirma weisst wäre das natürlich noch besser).


    Wenn Du nur mal üben willst weiss ich noch einen ganz einfachen Trick: sing' einfach unter der Bettdecke (nicht lachen - der Trick funktioniert wirklich!) dann hast Du keine Rechnergeräusche und keinen Raumhall auf der Aufnahme drauf. Anschliessend kannst Du mit "Effekte > Kompressor" mal rumprobieren ob Du die Stimme "lauter" kriegst (kann man schlecht beschreiben, probier einfach mal rum, du hörst dann schon was ich meine).


    Bei http://www.anwida.com gibt's ein vst-modul "DX Reverb Light" das lädtst du dir herunter und kopierst es zusammen mit dem vst-enabler von der Audacity-Homepage in den Audacity/PlugIns-Ordner auf einem Rechner. Wenn Du Audacity startest hast Du dann ein neues Hall-Modul unten im Effekte-Menü. Auch hier gilt: erstmal mit dem Hallmodul rumspielen damit du ein Gefühl dafür kriegst, was wichtig ist und was nicht.


    Du hast jetzt erstmal was zu tun, bis dahin habe ich auch die PDFs gefunden... bis dann - edgar

  • Hi Kone A!


    Antwort : dann weisst Du jetzt ja auch warum Toningeneur ein eigener Beruf ist...


    Macht aber nix weil denen geht das auch nicht anders. Um da richtig gut zu werden hilft auch nichts weiter als einfach üben. Da Du nicht der Erste bist , der mich sowas hier fragt hab' ich schonmal angefangen die wichtigsten Links die ich weiss zusammenzuschreiben (siehe FAQ: Grundlagenforschung Mikrofone, Aufnahmetechniken etc.) - aber hast Du vielleicht schon selbst gefunden.


    Wichtige Sachen zu Deinem Mikrofon: Das ist ein Elektret-Kondensator-Kugelmikrofon (ein langes Wort, aber wichtig zu wissen wenn man im Internet herumliest)


    Elektret-Kondensator ist die Methode mit der der Schall in Strom verwandelt wird und Kugelmikrofon heisst, dass der Schall nicht nur von vorn sondern von allen Richtungen gleichmässig aufgenommen wird.
    Damit Du jetzt nicht jedesmal 50000 Seiten über allen möglichen Quatsch lesen musst brauchst Du z.B. in Mikrofonbüchern (zunächst mal) nur lesen was über Kondensatormikrofone geschrieben steht (findet man im Inhaltsverzeichnis ganz schnell heraus) - die andere grosse Gruppe von Mikrofonen heisst "dynamische Mikrofone" (die arbeiten mit Spulen statt mit Kondensatoren) und werden auf der Bühne gebraucht wenns richtig laut ist. Das brauchst Du vorläufig mal noch nicht lesen, trotzdem ist immer gut wenn man sich merkt wo sowas steht.


    Am meisten hab' ich beim Andreas Gernemann gelernt, der hat nämlich lauter Studenten, die sowas meist auch zum Ersten mal machen und schreibt dann Anleitungen, die man auch verstehen kann.


    Die gute Nachricht für dich ist: Das was Du vorhast ist mit Deinem Mikrofon ohne grössere Probleme machbar. Die schlechte Nachricht ist: Da es sich um ein Kugelmikrofon handelt heisst Dein grösstes Problem nicht Mikrofon sondern Raumakustik. Da Dein Mikrofon nämlich den Schall von allen Seiten und nicht nur von vorn aufnimmt hört sich (ohne Bettdecke) selbst ein ganz normales Zimmer schon an wie eine Bahnhofshalle (das wirst Du mit Sicherheit aber auch schon selbst gemerkt haben) weil der reflektierte Hall von den Wänden genauso laut aufgenommen wird wie das was Du singst (bzw es gibt vier Wände und auch noch eine Decke und einen Fussboden - Du singst aber nur einmal - deshalb ist der Hall sogar sechs mal lauter als normal). Daher ist es extrem wichtig diesen Raumhall so weit wie möglich aus der Aufnahme rauszuhalten (deshalb so dumme Ideen wie die mit der Bettdecke - ich habe mir sowas nämlich schon gedacht). Du kannst Dir auch ein Bettlaken über den Kopf ziehen oder irgendsowas. Man kommt sich dann natürlich extrem blöd vor, das ist aber viel einfacher als das ganze Zimmer inklusive Decke mit Teppichboden zu tapezieren (das hab' ich auch schonmal gemacht) oder richtig viel Geld für Schallschluck-Tapete auszugeben (das ist so Schaumgummi-Zeugs) - also ich denke Du hast kapiert was ich meine: Du musst halt irgendwie dafür sorgen dass das Mikrofon nur Dich und nicht noch irgendwas sonst aufnimmt, die Qualität der Aufnahme bestimmen nämlich die leisen Stellen und nicht die lauten (wie man immer meint).


    Das mit dem Kugelmikrofon ist nicht schlimm: die einzige Alternative für Dich hiesse Kondensator-Nierenmikrofon (das nimmt von vorne lauter auf als von den Seiten und hinten), das kann aber - weil es sich um eine akustische Trickserei handelt - keine richtigen Bässe aufnehmen. Oder auf deutsch: ein Kugelmikrofon klingt grundsätzlich viel besser aus ein Nierenmikrofon hat aber halt eben diese Raumakustikprobleme. Im übrigen: Mikrofone und Lautsprecher (egal wie teuer) sind nach wie vor die grössten Probleme bei der ganzen Aufnehmerei. Daher sind gescheite Boxen zum Anhören Deiner Aufnahmen genauso wichtig wie das Mikrofon selbst (billiger: Kopfhörer). Die Bearbeitung der Aufnahmen ist dank Computerei heute viel einfacher als früher. Früher musste man sich nämlich immer Zettel schreiben auf denen stand: "In Minute so-und-so nach was-weiss-ich-wieviel Sekunden an dem und dem Regler drehen". Kein Witz - das war wirklich so - diese Listen waren manchmal sogar mehrere Seiten lang.


    Nochwas zum Thema Kompressor: wenn Du auf Windows arbeitest (entschuldigung - ich hatte vergessen Dich das zu fragen) gibt es ganz unten im Effekt-Menü noch den SC4, der ist viel besser als der Kompressor oben, aber leider noch komplizierter zum Einstellen. Aber keine Angst: Raumakustik, Mikrofonie und Dynamikprozessierung - wie das mit dem Kompressor richtig heisst - sind bereits dir kompliziertesten Sachen, die es in der Tonbearbeitung überhaupt gibt, leider aber auch die wichtigsten. Ich hab' Dich da gleich auf richtig schweres Zeug losgelassen, Du brauchst also keine Angst zu haben das alles jetzt noch viel komlizierter wird. Leicht ist es deswegen trotzdem leider auch nicht. Den SC4 haben wir mit dem Knuffi schon diskutiert unter "Generelle Fragen... / Dynamics Processings - Filter ?" (http://audacity.fuchsi.de/209). Da steht auch eine Kurzanleitung was ich darüber alles herausgefunden habe. Wahrscheinlich hilft Dir das schonmal weiter.


    Ansonsten schreib' mir einfach mal was Du sonst noch herausgefunden hast oder was es sonst noch für Probleme gibt - ich werde das am Schluss nämlich alles zusammenkopieren und in die FAQ stellen, dann brauchen Leute wie Du sich das nicht immer einzeln zusammensuchen... - bis demnächst - nicht aufgeben! - edgar

  • okay, also ich brauche gute kopfhörer!


    ich habe bis jetzt immer nur meine stimme aufgenommen, und ahbe sie so wie sie ist dann zm beat gemischt!


    naja, dann werde ich mal probieren!

  • Hi Kone A!


    Aus Deinem Namen schliesse ich... Geht's um Techno oder um Rap ? Wenn ich das weiss kann ich Dir wesentlich Bessere Anleitungen schreiben, dann brauchst Du nich so lang rumzusuchen - das mit den Kompressoren ist leider halt sowohl das wichtigste als auch das schwierigste. Da die Kompressormodule aber meistens so programmiert sind dass man von Dorfdisco bis Pavarotti theoretisch alles damit machen kann, könnte ich Dir zumidest sagen was Du *nicht* ausprobieren brauchst. Eine Kompressor wo man nur auf den Knopf drücken muss gibt es leider nicht (auch wenn viele das glauben).


    bis dann - edgar

  • Hi Kone A! - Problem gefunden!


    Der eingebaute Kompressor und der SC4 sind viel zu lahm für das was Du machen willst. Lad' Dir mal von http://www.mda-vst.com auf der VST-Seite das komplette Paket runter, mach das zip-file auf und kopier mda-dynamics und mda-limiter nach Audacity/PlugIns. Bis heut' abend schreib' ich Dir genaue Anleitungen. Keinen Schreck kriegen: der Dynamics hat zehn Regler oder so - davon brauchst Du nur die obersten fünf. Limiter auf rechtsanschlag stehen lassen und alles was Gate heisst auf linksanschlag, mit dem Rest kannst Du ja schon mal rumspielen (sinnvolle Attack- und Release-Zeiten sind bei mda 0.005 (sehr schnell) bis 0.5 (sehr lahm)) - das macht die Sache für Dich wahrscheins schon mal viel interessanter. (Kannst Du auch Megafon-Effekte und so'n Zeugs mit machen).


    Heute abend mehr - muss nochmal arbeiten - bis dann - edgar

  • Der Penny hat natürlich wie immer recht - vielleicht muss man das sogar in der FAQ ändern wenn das zu schwierig zu verstehen ist - ich werd' heute mittag (mal endlich) die mda-Module ausmessen - habe Dich nicht vergessen, muss manchmal aber zwischendrin auch noch was arbeiten, da geht das nicht immer so schnell wie ich das selber gern hätte... - edgar

  • Erste Forschungsergebnisse: was Du brauchst ist der mda-dynamics - sinnvolle Werte für das was Du vorhast sind:


    Tresh: 0.25 - 0.5
    Ratio: 0.21 - 0.25 (höhere oder niedrigere Werte ergeben Unfug)
    Output: 0.5 - 1.0 (fang' mit 0.5 an - wenn's zu leise ist höhere Werte nehmen)
    Attack: 0 - 0.1 (am besten auf Null lassen)
    Release 0 - 0.1 (am besten auf Null lassen)
    Limiter: 0.64 (wichtig! - keine andere Zahl!)


    Die drei Gate-Regler alle auf Null.


    Du wirst merken, dass Du die Spur nicht mehr ganz bis 100% aussteuern kannst (nur noch zu 99.5% oder so), das macht der Limiter (deshalb genau 64) du kannst dann verzerren ohne dass die Spur übersteuert - probier das mal aus - klingt super!


    Treshold (ganz oben) muss experimentiert werden - hängt von Deiner Aufnahme ab - kann ich schlecht vorraussagen. (0.25 bis 0.5 ist das was bei mir am Besten funktioniert hat)


    Ratio gilt: 0.21 quetscht am wenigsten, 0.25 quetscht am meisten.


    Attack und Release gilt: je kürzer (je kleiner die Zahl) desto härter wird's aber desto mehr verzerrt's auch - probier aus was Du brauchst.


    Wenn Du beim Ausprobieren vorher ein Stück in der Spur "markierst" (mit der Maus anmalst) kannst Du im Kompressor-Modul unten links "vorhören" - dann brauchst Du nicht jedesmal das "Anwenden und wieder rückgängig machen"-Spiel zu spielen.


    Kurze Beschreibung: Ein Komressor ist im Prinzip ein elektronischer Lautstärkeregler, nur regelt der so schnell wie Du das mit der Hand niemals könntest. Treshold ist der Pegel, ab dem er anfangen soll leiser zu machen (du kannst dann die leisen Stellen weiter aufdrehen, das ist der Effekt warum Du glaubst dass sich das "lauter" anhört). Ratio ist das Verhältnis um wieviel der Kompressor die lauten Stellen leiser machen soll. Output ist nur ein Verstärker am Ausgang, der alles am Ende wieder lauter macht, wenn's zu leise geworden ist (Du kannst den Output auch auf 0.5 - das ist 1:1-Verstärkung - stehen lassen und anschliessend mit "Effekte > Verstärken > kein Clipping erlauben" die Spur automatisch wieder auf Vollaussteuerung rechnen lassen, das geht meiner Meinung nach einfacher). Attack ist die Zeit, die er braucht um leiser zu drehen und Release ist die Zeit, die er braucht um wieder lauter zu machen.


    Ich schreib' Dir noch eine genaue Anleitung mit Bildern, aber ich habe jetzt 11 Stunden (!) gebraucht um das selber rauszufinden, deshalb mache ich das erst morgen. mda-dynamics ist aber genau das Ding was Du brauchst (und auch das was ich brauche habe ich bei der Gelegenheit herausgefunden), ich werde also sowieso eine Anleitung für das Forum schreiben und Du bist jetzt der, der sie ausprobieren darf.


    Ich hoffe das war jetzt nicht zu viel auf einmal - versuch auch bitte nicht zu überlegen warum die Zahlen ausgerechnet diese Werte haben, das hängt mit der etwas schwachsinnigen Bedienung über die "grauen Kästchen" zusammen und ergibt meistens keinen grösseren Sinn - das war auch der Grund warum das so ewig gedauert hat - ich erklär' Dir das morgen nochmal genauer - mit Bildern versteht man das besser.


    Also dann bis morgen - Gute Nacht - (ich geh' jetzt ins Bett) - edgar


  • ALso ich habe mir das Zeug jetzt runtergeladen und installiert und in den plugins ordner rein koppiert, aber trotzdem sehe ich da keine neue option bei effekte....


  • Okay habe ich gemacht, vielen Dank für die Hilfe!